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Nachbericht zum Vortrag von Ralf Becker - Erinnerung und Friedensperspektive

Ralf Becker referiert zur Rolle Europas für den Frieden. 

Ralf Becker referiert zur Rolle Europas für den Frieden. 

Im Gedenken an die Zerstörung Würzburgs am 16. März 1945 und vor dem Hintergrund einer immer unsicherer werdenden Weltlage referierte Ralf Becker von der Initiative „Sicherheit neu denken“ am 17. März 2026 zur Rolle Europas für den Frieden. Gut 40 Personen nahmen an der Veranstaltung von ÖKOPAX, EineWeltForum und RASCH-Haus teil, in der mögliche Friedensszenarien vorgestellt und diskutiert wurden. 

Anstelle des gängigen Denkens „Sicherheit durch Stärke“ in einem Freund-Feind-Schema setzt Becker eine Friedenslogik: Sie will Grundlagen für Deeskalation legen. Gegenseitiges Vertrauen statt Drohung mit militärischen Mitteln könne aufgebaut werden - und damit würde sich für alle Seiten die Sicherheit vor Gewalt erhöhen.

Die Charta von Paris als historisches Beispiel

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg ist dies 1990 mit der Charta von Paris gelungen. Sie erklärte die Spaltung zwischen Ost und West für beendet und verpflichtete die unterzeichnenden Staaten zum Aufbau eines gemeinsamen, Russland einschließenden Sicherheitssystems. Unter dieser Voraussetzung sicherte die Sowjetunion die Souveränität aller Staaten zu.

Ein Vertrag auf Augenhöhe, verbunden mit Zusagen zu weltweiter kontrollierter Abrüstung war in der spannungsreichen Nachkriegszeit mit der militärischen Blockbildung zwischen Ost und West eine große Erfolgsgeschichte. Doch der Westen hielt seine Zusicherung zu einer gemeinsamen Sicherheitsarchitektur in Europa nicht ein.

Vorgeschichte des Ukrainekrieges

Becker erläuterte im Folgenden die Vorgeschichte des Ukrainekrieges. Er betonte, dass diese Konfliktanalyse ermögliche, den komplexen Zusammenhang des Krieges zu verstehen. Dies sei jedoch nicht gleichzusetzen mit einer Rechtfertigung des Krieges.

In der öffentlichen Debatte sei der Aspekt der Anteile des Westens an der Eskalation nicht repräsentiert. Deshalb sei es wichtig, darauf den Fokus zu legen. Nur wenn der Westen eigene Fehler eingestehe, was einige hochrangige Militärs, Politiker und Wissenschaftler, wie z.B. Wolfgang Richter (Oberst a.D.) oder Wolfgang Ischinger, ehemals Diplomat und Vorsitzender der Münchener Sicherheitskonferenz, fordern, eröffne sich ein Weg für gemeinsame Vereinbarungen. Diese trügen der Bedrohungswahrnehmung Russlands Rechnung.

Militärische Kräfteverhältnisse

Auch wenn in der Berichterstattung und der öffentlichen Meinung der Eindruck vorherrsche, Russland sei fähig und plane, ein europäisches NATO-Land anzugreifen, so sprächen alle Statistiken bzgl. des militärischen Potentials dagegen.  Anhand eines Schaubilds verdeutlichte der Referent die Dominanz der USA und der NATO:

Die etwa 800 Militärbasen der USA stehen etwa 30 Basen Russlands gegenüber. Zu einem ähnlichen Ergebnis der westlichen Überlegenheit kommen Vergleiche verschiedener Waffensysteme – selbst  ohne Einbeziehung der US-amerikanischen Waffen.

Die derzeit praktizierte gigantische Aufrüstung ist daher vollkommen unnötig.

Wege zu Frieden und Sicherheit

Um die aktuellen Kriege zu beenden, müsse das klare Signal „Stopp gegen Gewalt“ mit einem gleichzeitigen konstruktiven Beziehungsangebot verbunden werden. Für alle Konfliktherde gelte die Notwendigkeit einer gemeinsamen Sicherheitsarchitektur verbunden mit Abrüstungsvereinbarungen. Das sei auch dem zentralen Problem der Menschheit geschuldet: der drohenden Klimakatastrophe.

Ausblick: Vertiefung und Dialog

Der Vortrag endete mit einem intensiven Gedankenaustausch. Praktische Konsequenzen aus dem Gehörten sollen in einem Vertiefungsseminar gewonnen werden, das ÖKOPAX mit Vertreterinnen und Vertretern von „Sicherheit neu denken“ anbieten wird.

 

Weiterführende Links:

www.sicherheitneudenken.de/europa-szenario

www.sicherheitneudenken.de/impulspapiere-2/ 

 

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